Die GAB mbH veranstaltete gemeinsam mit der Bayerischen Verwaltungsschule (BVS) und in Kooperation mit dem bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU)sowie dem ingenieurtechnischen Verband Altlasten (ITVA) ein weiteres Seminar zur Fortbildung für Sachverständige nach § 18 BBodSchG im Sachgebiet 2 mit dem Thema "Untersuchung und Bewertung von Altablagerungen" in den Räumen der BVS in München
Mit über 100 Teilnehmer/innen war die Veranstaltung sehr gut besucht und zeigte mit mehr als einem Drittel von Vertreter/innen aus der Verwaltung auf, dass das Thema Altablagerungen auch dort auf große Resonanz stieß.
Dr. Thilo Hauck (GAB mbH) begrüßte zu Beginn der Veranstaltung die Anwesenden und berichtete, dass mit Finanzmitteln aus dem Bayerischen Unterstützungsfonds bei der GAB mbH zahlreiche Fälle untersucht und zum Teil bereits saniert wurden. Die Vorgehensweise der einzelnen Ingenieurbüros und der Behörden zeige jedoch zum Teil große Unterschiede, was den Bedarf nach Diskussion und Austausch hinsichtlich der Untersuchung und Bewertung von Altablagerungen deutlich mache.
In seinem Vortrag "Aus der Praxis des Bayerischen Unterstützungsfonds zur Finanzierung der Erkundung und Sanierung stillgelegter gemeindeeigner Hausmülldeponien" stellte Harald Kugler (GAB mbH) die Eckdaten zum bayerischen Unterstützungsfonds vor. Im Jahr 2006 gestartet und mit einer Laufzeit bis 2010 stehen aus dem Fonds jährlich rd. 10 Mio. Euro als Zuschuss für Erkundungs- und Sanierungsmaßnahmen zur Verfügung. Die GAB mbH ist als beliehene Gesellschaft mit der Entscheidung über Anträge auf Gewährung von Zuschüssen sowie mit der Auszahlung und Abrechnung von Zuschüssen betraut. Daneben prüft die GAB mbH die Anträge hinsichtlich der allgemeinen Fördervoraussetzungen sowie auf fachliche Eignung und Wirtschaftlichkeit.
Die Anträge werden nach Prüfung und ggf. Nachforderung fehlender Unterlagen dem Technischen Beirat und anschließend dem Aufsichtsrat zur Beratung und Genehmigung vorgelegt. Da der Fonds zu 100 % aus öffentlichen Finanzmitteln gespeist wird, ist bei der Vergabe von Leistungen durch die Gemeinden zwingend das öffentliche Vergaberecht einzuhalten. Zur Durchführung der Maßnahme sind i.d.R. zugelassene Sachverständige und Untersuchungsstellen nach § 18 BBodSchG zu beauftragen.
Bisher gingen 163 Anträge auf Maßnahmen bei 132 Deponien ein. 102 Anträge auf Maßnahmen bei 76 Deponien wurden bereits bewilligt, wobei 33 derzeit abgeschlossen sind. Ein Großteil der bewilligten Maßnahmen bezieht sich auf die Detailuntersuchung, ca. 25 % befinden sich bereits in der Sanierung oder in der Sanierungsplanung. Das Ziel der GAB ist es, bei möglichst vielen Deponien den Gefahrverdacht zu klären und ggf. die Gefahr zu beseitigen und dabei die Fondsmittel möglichst effizient einzusetzen – durch verhältnismäßige Maßnahmen bei Erkundung und Sanierung.
Jürgen Kohl (LfU, Dienststelle Hof) referierte im Anschluss daran zum Thema "Relevante Prozesse und Vorgänge in Altablagerungen". Nach einem kurzen Überblick über die Definitionen zu Altablagerungen und zur Entwicklung der Abfallbeseitigung allgemein sowie den Zuständigkeiten des Bodenschutzrechtes und des Abfallrechtes ging Herr Kohl auf den Wirkungspfad Boden-Mensch ein. Anhand der Deponiegasphasen nach Rettenberger stellte er den zeitlichen Verlauf der Deponiegasentwicklung dar und erläuterte die Problematik anhand eines Fallbeispiels. Bei Gefährdungen durch Deponiegas sollten Sofortmaßnahmen durchgeführt werden. Der direkte Kontakt des Menschen mit dem Müllkörper sei ebenfalls zu berücksichtigen, z.B. bei fehlender Rekultivierung oder Oberflächenabdeckung.
Im Hinblick auf den Wirkungspfad Boden-Gewässer wurde die Sickerwasserentwicklung mit Hilfe von Zeitreihen visualisiert und anhand der Deponiegröße bzw. Schütthöhe Anhaltspunkte zur Abschätzung des Emissionsverhaltens abgeleitet. Ein im Vortrag zusammengefasstes LfU-Forschungsprojekt behandelte die Auswirkungen von Altdeponien auf den Wirkungspfades Boden – Gewässer. Hier wurden 30 kommunale Deponien in Bayern (relativ kleine ungedichtete Deponien ohne weitere technische Einrichtungen) untersucht. Im Rahmen des Projektes wurden statistische Zusammenhänge zur Intensität und zeitlichen Entwicklung einer Grundwasserbeeinflussung herausgearbeitet. Im Ergebnis lässt sich folgendes festhalten:
Besteht jedoch die Notwendigkeit einer Sanierung bzgl. des Wasserpfades, sollten die Maßnahmen zeitnah durchgeführt werden da wegen der im Einzelfall rückläufigen Emissionen die Effizienz der eingesetzten Mittel sinken kann.
Eine "Übersicht über Untersuchungsmethoden und bewertungsrelevanten Sachverhalte bei der Erkundung von Altablagerungen sowie den Erfahrungen eines Ingenieurbüros" lieferte der Vortrag von Eckhard Hopf vom Ingenieurbüro Blasy + Mader GmbH. Er widmete sich den zu untersuchenden Medien Oberboden, Verfüllmaterial / Boden, Bodenluft und Deponiegas, Oberflächenwasser und Schicht-, Hang- bzw. Grundwasser.
Im Hinblick auf die klassische Beprobung des Oberbodens (Wirkungspfad Boden-Mensch und Boden-Nutzpflanze) wurde angemerkt, dass ggf. die Beprobungstiefe auf den Einzelfall angepasst werden sollte und die Ansprache des Bodens nach bodenkundlicher Kartieranleitung aufgrund der anthropogenen Herkunft des Materials kritisch zu betrachten sei. Für die Betrachtung des Wirkungspfades Boden-Gewässer anhand von Materialuntersuchungen wurden die Vor- und Nachteile von Kleinrammbohrungen, Rammkernbohrungen und Baggerschürfen dargestellt. Die Auswahl des geeigneten Verfahrens richte sich neben der erforderlichen Probenmenge und gewünschten Entnahmetiefe auch nach der Zugänglichkeit des Geländes. Insbesondere bei der Anlage von Baggerschürfen ist zu berücksichtigen, dass begehbare Schürfe wegen Kosten für Verbau, Arbeitsschutz und Flurschäden schwer umsetzbar sind und die alternative Entnahme exakter Bodenprofile aus der Baggerschaufel erfahrungsgemäß in der Regel nicht möglich sind.
Zur Entnahme von Bodenluftproben auf Untersuchung von Spurenstoffen bzw. Deponiegasen stellte Eckhard Hopf die verschiedenen Verfahren zur Beprobung bzw. Vor-Ort-Bestimmung zusammen. Die Beprobung von Gewässern betreffend wurde zwischen Oberflächenwasser und Grundwasser unterschieden und die einschlägigen Methoden mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen erläutert. Die Präsentation wurde abgerundet durch einige eindrucksvolle Fotos, die auch weitere bewertungsrelevante Sachverhalte wie z.B. das Abschwemmen von Abfällen im Bereich eines Altdeponiekörpers aufgrund der Lage im Überschwemmungsgebiet sowie die Gefährdung durch unfallträchtig herausragende oder scharfkantige Gegenstände wegen unzureichender Überdeckung der Altablagerung aufzeigte.
Über die "Erfahrungen eines Wasserwirtschaftsamtes mit Untersuchungen von Altablagerungen" berichtete Dr. Franz Arweck vom WWA Traunstein. Im Amtsbezirk des WWA Traunstein sind insgesamt 572 Altablagerungen im Altlastenkataster ABuDis ausgewiesen, wovon derzeit noch 496 Fälle orientierend zu untersuchen sind. Für die orientierende Untersuchung eröffne das Merkblatt 3.8/1 des LfU den Ämtern ein Spektrum von Möglichkeiten um den hinreichenden Altlastenverdacht auszuräumen oder zu erhärten. Arweck stellte die verschiedenen Elemente der orientierenden Untersuchung wie Grundlagenermittlung und historische Recherche, Erstellung eines Untersuchungskonzeptes Durchführung der Untersuchungen, Analytik und Sickerwasserprognose und die Erfahrungen des WAA vor. Im Hinblick auf die Darstellung und Bewertung der Ergebnisse lässt sich festhalten, dass bei eindeutig positiven und eindeutig negativen Ergebnissen von den Sachverständigen gute Gutachten geliefert werden. Viel Diskussionsbedarf besteht jedoch erfahrungsgemäß bei Ergebnissen im Übergangsbereich, was sich auch in den Gutachten widerspiegelt.
Zum Einstieg in den Nachmittagsblock und die sich daran anschließenden Workshops wurden zwei Fallbeispiele mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen ausgewählt. Ulrich Roos, Roos Geo Consult, Würzburg stellte in seiner Präsentation zur Altablagerung Pitztalsgrund in Großwallstadt kurz den Projektablauf dar. Die ca. 9 m mächtige Müllverfüllung befindet sich in einem Talabschnitt im Zustrom zu bestehenden und einem geplanten Trinkwasserbrunnen. Aufgrund der sensiblen Lage im Trinkwasserschutzgebiet wird derzeit auf Grundlage der umfangreichen Untersuchungsergebnisse mit bis zu rd. 100 m tiefen Grundwassermessstellen eine Dekontamination gegenüber einer Sicherung favorisiert. Die Sanierungsplanung soll demnächst in Angriff genommen werden.
Das Projekt Altablagerung Pfalzen-Sinswang im Markt Oberstaufen wurde von und Dr. Jörg Danzer, _boden & grundwasser~, SONTRA Technologie- und Dienstleistungszentrum, Sonthofen präsentiert. Nördlich von Oberstaufen liegt im moorigen Bereich eine ca. 3-5 m mächtige Müllverfüllung, die z.T. bebaut ist. Im Rahmen der seit 1999 laufenden umfangreichen Untersuchungen wurden 14 Grundwassermessstellen errichtet und Materialproben entnommen. Ergänzt wurden diese Untersuchungen 2007 durch Bodenluft und Deponiegasmessungen, bei denen erhöhte Methangehalte festgestellt wurden. Nach Durchführung von Raumluftmessungen und weiteren Untersuchungen wurde vorgeschlagen, ein Monitoring für Grundwasser und Deponiegas durchzuführen, da davon ausgegangen wird, dass sich die Deponiegasentwicklung in der Abklingphase befindet.