Die ehem. Porzellanfabrik Winterling Ag in Schwarzenbach/Saale produzierte bis zur Betriebsstilllegung im Jahr 1996 auf dem ca. 80.000 m² großen Grundstück über einen Zeitraum von über 100 Jahren Gebrauchsporzellan
Im Rahmen eines Pilotprojektes, gefördert vom StMUGV über die Regierung von Oberfranken, soll der Standort der ehemaligen Porzellanfabrik Winterling AG einer neuen Nutzung zugeführt werden. Da für den Standort Anhaltspunkte für das Vorliegen von Altlasten/schädlichen Bodenveränderungen gemäß BBodSchG vorlagen, wurden die Flächen im Vorfeld der Umnutzung im Hinblick auf mögliche Untergrundverunreinigungen untersucht. Auf Grund der Feststellung einer massiven Belastungssituation ergab sich ein dringender weiterer Handlungsbedarf zum Schutz des Grundwassers.
Da der Winterling-Konzern 1999 Insolvenz anmelden musste und keine zahlungsfähigen Handlungs- oder Zustandsstörer vorhanden sind, erfolgte die Erkundung des Standortes im Hinblick auf Boden- und Grundwasserverunreinigungen (ab der Detailuntersuchung) sowie die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen in Ersatzvornahme durch den Landkreis Hof.
Im Ergebnis der Erkundungsuntersuchungen erfolgte die Erstellung des Sanierungsplanes für das Gelände der ehem. Porzellanfabrik Winterling. Ziel der konzipierten Maßnahmen war eine „Hot-Spot“-Sanierung einzelner Teilbereiche mit erhöhtem Gefährdungspotential. Neben der Sanierung dieser „hot spots“ erfolgte eine Teilumlagerung der ehemaligen Betriebsdeponie, um sowohl eine sinnvolle Oberflächenminimierung zu erzielen, als auch die teilweise beschädigten Grunddurchlässe des städtischen Schmutzwasserkanals und eines verrohrten Bachlaufes an der Deponiebasis freilegen und ertüchtigen zu können.
In der Ausführungsplanung erfolgte eine enge Abstimmung mit den Fach- und Aufsichtsbehörden, dem Auftraggeber sowie allen mittelbar und unmittelbar betroffenen Personen oder Firmen. Die Ingenieurleistungen ab der Ausführungsplanung einschl. der Ausschreibung der Bau-, Entsorgungs- und Laborarbeiten, den hydrologischen Begleituntersuchungen bis hin zur örtlichen Bauüberwachung wurden von der IGAS IngenieurGemeinschaft für Altstandorterkundung sowie Sanierung erbracht. Die IGAS Ingenieurgemeinschaft bildet sich aus dem DAS Ingenieurbüro für Bau- und Umwelttechnik Matthias Weibrecht aus Fürth sowie der Piewak & Partner GmbH, Ingenieurbüro für Hydrogeologie und Umweltschutz aus Bayreuth.
Auf Grund der örtlichen Situation mussten die Belange der unmittelbar an die Sanierungsflächen angrenzenden Mieter von Teilflächen und Gebäuden bereits in der Ausschreibung berücksichtigt werden. Die Anwohner wurden rechtzeitig vor Beginn der Maßnahme mittels einem Infoflyer über die geplanten Sanierungsmaßnahmen detailliert informiert, so dass von Beginn an die Akzeptanz bzgl. des erhöhten Verkehrsaufkommens durch die LKW-Transporte sowie phasenweise auftretender Geruchsbelästigungen gegeben war.
Im Ergebnis der Detail- und Sanierungsuntersuchungen wurden mehrere Belastungsschwerpunkte mit Sanierungsbedarf ausgewiesen. Als Hauptschadstoffe und somit Leitparameter für die Sanierung sind gaswerksspezifische Schadstoffe wie polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) einschl. Naphthaline, Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX) sowie hauptsächlich Phenole zu nennen.
Im Bereich des sog. Teerloches traten Rückstände aus der Generatorgaserzeugung auf, wobei es sich hier um ca. 1200 m³ zähflüssige, pastöse und nur teilweise feste, teerhaltige Abfälle handelte.
Für das im Zuge der Sanierung aus diesem Bereich anfallende Aushubmaterial wurde auf Grund Konsistenz und Belastungsgrad eine Direktverbringung zur thermischen Aufbereitung konzipiert. Zur Verladung und zum gesicherten Transport der zähflüssigen Masse war eine Kalkkonditionierung des Materials im Zuge des Aushubes erforderlich.
Im Bereich des „neuen“ Weißschlammbeckens wurden Produktionsrückstände wie Kaolin- und Gipsschlämme abgelagert, die - wenn überhaupt - nur über ein geringes Schadstoffpotential verfügten. Unterhalb dieser Auffüllungen war jedoch in einer Tiefe von ca. 4,0 – 6,0 m unter GOK eine weitere Ablagerung mit massiven Kontaminationen durch Teerinhaltstoffe bis in den anstehenden Untergrund zu verzeichnen.
Der Hauptbelastungsschwerpunkt lag hier somit unmittelbar oberhalb des Grundwassers. Die betroffene Fläche besaß eine Größe von ca. 2.400 m². Kennzeichnend waren die hier vorhandenen hohen Phenolgehalte im Eluat, welche teilweise auch bis in den zersetzten Tonschiefer detektierbar waren. Als weitere Hauptschadstoffparameter sind wiederum PAK einschl. Naphthaline und weitere gaswerkstypische Rückstände zu nennen.
Generell wurde im Rahmen der Sanierung anfallendes Material auf dem speziell hierfür errichteten Bereitstellungslager zur Deklaration in Haufwerke aufgemietet. Aushubmaterial, dass nachweislich der laboranalytischen Begleituntersuchungen zum Wiedereinbau geeignet war, wurde zur Wiederverfüllung herangezogen. Nicht für den Wiedereinbau geeignetes Material wurde einer externen Verwertung bzw. Entsorgung zugeführt.
Ergänzend zu den beschriebenen Sanierungen einzelner Belastungszentren erfolgten zusätzliche umfangreiche Aushub- bzw. Umlagerungsarbeiten in einem Teilbereich des sog. „Scherbenhaufens“ der ehemaligen Porzellanfabrik mit dem Ziel des Wiedereinbaus in den verschiedenen Aushubbereichen und zur Erstellung eines qualifizierten Oberflächenprofiles auf der ehemaligen Werksdeponiefläche.
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Aushubkubatur: |
Teerloch Kohlelager Altes Weißschlammbecken Neues Weißschlammbecken Umlagerung Scherbenhaufen |
2.500 m³ 2.500 m³ 2.000 m³ 20.500 m³ 11.000 m³ |
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Aushub inkl. Umlagerung alte Werksdeponie |
38.500 m³ | |
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Wiederverfüllung: |
Umlagerung Scherbenhaufen Bereitstellungslager Aushubmaterial Importmaterial (Z.0-Material) |
11.000 m³ 10.000 m³ 4.500 m³ |
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Verfüllkubatur |
25.500 m³ | |
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Entsorgungstonnage |
23.600 to | |
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Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Artikels sind die Hauptsanierungsarbeiten vollständig abgeschlossen. Die Gesamtmaßnahme wurde im Zeit- und Kostenrahmen abgewickelt.
Ausgewählte Grundwassermessstellen werden nach Abschluss der Sanierung zeitlich begrenzt einer nachgeschalteten Erfolgskontrolle unterzogen.
(Quelle: Angelika Schedler, DAS Ingenieurbüro für Bau- und Umwelttechnik Matthias Weibrecht, NL Fürth)